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Zweite Chance für die Single Mom
Bonusszene

Jordan
Drei Jahre später

Im Bankettsaal herrschte das leise Raunen von Unterhaltungen, wie in solchen Räumen zwischen Reden und höflichem Applaus üblich. Zusammen mit meinen Kommilitonen saß ich an einem runden Tisch im vorderen Bereich, doch ich plauderte kaum mit den anderen. Ich war zu fasziniert von der Platzkarte hinter meinem Essteller.


Dr. med. Jordan Mayfield


Es fühlte sich noch nicht echt an. Selbst nach all den Jahren an der Uni und als Assistenzarzt hatte ich nicht das Gefühl, dass man mich als Arzt bezeichnen sollte. Im Augenblick beschäftigte mich stark das Hochstaplersyndrom. Sogar an diesem Ort.
»Nun denn, fangen wir an«, ergriff Programmleiterin Dr. Casey das Wort, als sie das Podium betrat.
Im Saal kehrte Stille ein.
»Ich weiß, dass ihr es alle kaum erwarten könnt, endlich Schlaf nachzuholen, also werde ich mich kurzfassen.« Ein leises Lachen ging durch das Publikum. Ich lächelte nur. Mittlerweile war ich froh, mich während der Assistenzzeit für einen weniger dichten Terminplan entschieden zu haben, auch wenn ich dadurch länger zum Abschluss gebraucht hatte.
In den vergangenen drei Jahren hatte ich etliche gute Entscheidungen getroffen.
»Die Assistenzzeit ist brutal«, fuhr Dr. Casey fort, wozu ringsum genickt wurde. »Ihr habt gelernt. Ihr habt euch abgemüht. Ihr habt geopfert.«
Sie verstummte kurz und ließ den Blick durch den Saal wandern.
»An der Stelle sage ich: Ihr seid bereit. Nur wenn wir uns ehrlich sein sollen, fühlt ihr euch wahrscheinlich nicht so. Das wird sich wohl auch in ein, zwei Jahren nicht ändern. Aber ich verrate euch ein Geheimnis: Genau dieses Gefühl bestätigt, dass ihr so weit seid. Nehmt es an, geht raus und seid einfach die besten Mediziner, die ihr sein könnt.«
Danach wurden die Assistenzärzte nacheinander auf die Bühne gerufen. Jeder Name wurde beim Händeschütteln mit Applaus bedacht. Ich fühlte mich seltsam nervös, bis ich an die Reihe kam, dann sprang ich praktisch die Stufen hinauf.
»Herzlichen Glückwunsch, Doktor Mayfield«, sagte Dr. Casey, so leise, dass nur ich sie hören konnte. »Ihre Patienten können sich glücklich schätzen.«
»Das sagen Sie wahrscheinlich zu allen Absolventen.«
»Stimmt.« Sie lächelte. »Trotzdem ist es wahr.«
Die Worte gingen mir tiefer als erwartet unter die Haut. Ich murmelte einen Dank und bekam den Beifall kaum mit, als ich zu meinem Platz zurückkehrte.
Weiter hinten erhaschte ich einen flüchtigen Blick auf Haley und Bran, die jubelnd auf und ab sprangen.
Verdammt. Ich stand kurz davor, Tränen zu vergießen.
Zum Glück gelang es mir, meine Emotionen bis zum Ende der Zeremonie in den Griff zu bekommen. Alle standen auf und mischten sich untereinander, ich hingegen steuerte schnurstracks nach hinten im Saal.
»Von mir kriegst du nicht allzu viele Komplimente, damit es dir nicht zu sehr zu Kopf steigt«, kündigte Lucas an, als er mit mir einschlug. »Aber ich bin stolz auf dich, Kumpel.«
»Bitte rede mich ab sofort als Doktor an«, gab ich zurück. »Weil ich das bin. Doktor der Medizin.« Ich hielt die Platzkarte hoch, die ich vom Tisch stibitzt hatte. »Doktor Jordan Mayfield.«
»Seht ihr? Es ist ihm jetzt schon zu Kopf gestiegen«, klagte Lucas.
»Doktor Jordy!«, rief Bran und warf sich mir in die Arme. Mittlerweile reichte er mir bis zur Schulter, obwohl er erst neun war. Wenn er in dem Tempo weitermachte, würde er mich im nächsten Jahr überragen. »Ich weiß nicht, ob ich dich Coach Jordy oder Doktor Jordy nennen soll.«
»Wie wär’s mit Doktor-Coach Jordy?«, schlug ich vor.
Shay zog mich in die Arme und klopfte mir auf den Rücken. »Ich nenne dich Doktor, wenn du mich Esquire nennst.«
»Mir ist klar, dass du scherzt, aber das mache ich vielleicht wirklich«, stichelte ich.
»Gut gemacht«, lobte mich Shay.
Dann schob ihn Haley aus dem Weg, die Frau, die ich liebte und mit der ich den Rest meines Lebens verbringen wollte. Sie klammerte mich mit jedem Quäntchen Kraft, das sie besaß. Ich ächzte, als ich meinerseits die Hände um sie legte und ihre Umarmung genoss. Haley vermittelte mir das Gefühl, geliebt zu werden, wie ich es vor ihr nie gekannt hatte.
»Ich bin so stolz auf dich«, flüsterte sie unter Tränen. »Das kannst du dir gar nicht vorstellen.«
»Kann ich wohl.«
»Nein«, entgegnete sie. »Kannst du nicht. Was immer du glaubst, du kannst es locker mit tausend multiplizieren.«
»Oh, wow. Das ist ganz schön viel Stolz.«
Als sie mich schließlich losließ und sich die Augen abwischte, wandte ich mich Lucas zu. »Welchen besonderen Titel kriegt man als Ingenieur?«
Er verengte die Augen zu Schlitzen. »Keinen.«
»Oha, echt? Tja, Mann, schade«, sagte ich in herablassendem Ton. »Pass gut auf, Bran. Wenn du mal ’nen coolen Titel willst, musst du Anwalt oder Arzt werden.«
Den Scherz brachten wir laufend, doch Bran schüttelte vehement den Kopf. »Ich will wie Dad mit Autos arbeiten!«
»Guter Junge«, lobte Lucas und legte den Arm um seinen Sohn. »Ingenieure verdienen ohnehin mehr Kohle.«
»Geld ist nicht alles«, antwortete ich und warf einen Blick auf die Armbanduhr. »Wir kommen noch zu spät zu deinem Spiel. Gehen wir lieber.«
Wir fuhren zum Baseballfeld, wo ich die Krawatte abnahm und die Ärmel hochkrempelte. Da meine Assistenzzeit zu Ende war, würde ich eine Vollzeitstelle im Kinderkrankenhaus annehmen. Meine Arbeitszeiten würden wesentlich fordernder werden.
Vorerst jedoch konnte ich die Saison als Trainer der Baseballmannschaft beenden. Was gut passte, denn Bran würde demnächst in die nächste Stufe aufrücken. Schon mit neun war er gut genug, um nächstes Jahr mit den Zwölfjährigen zu spielen. Jedenfalls würde ich ihn nicht mehr trainieren, was es mir erleichterte, mich von der Mannschaft zu verabschieden.
Nachdem ich ausgestiegen war, steuerte ich auf den Platz zu – und blieb abrupt stehen. Sämtliche Kinder des Teams hatten sich eingefunden. Sie bildeten am Spielfeldrand eine Linie und hielten ein langes Banner hoch.


GLÜCKWUNSCH DOKTOR JORDY


Die Eltern erhoben sich auf der Tribüne, drehten sich mir zu und stimmten Applaus an. Einige Kinder jubelten und johlten, sogar einige der gegnerischen Mannschaft, die keine Ahnung hatten, warum, aber einfach mitmachen wollten.
»Bis jetzt ist es mir gelungen, keine Tränen zu vergießen«, sagte ich und rieb mir mit der Faust ein Auge. »Das habt ihr mir gerade gründlich vermasselt.«
Haley legte den Arm um mich. »Erwischt.«
»Hab ja gesagt, dass es damit klappt«, meldete sich Shay zu Wort. »Du schuldest mir zehn Mäuse.«
»Ich hab nie was anderes behauptet, sondern bloß geglaubt, es würde ein bisschen länger dauern«, konterte Lucas.
Ich sah die beiden nacheinander an. »Ihr habt drauf gewettet, ob ich heulen würde oder nicht?«
»Lucas und Shay hab ich schon weinen gesehen, aber dich noch nie«, erklärte Haley und wischte mir mit dem Daumen eine Träne von der Wange. »Ich wollte mich nur vergewissern, dass einer der Männer, die ich liebe, auch menschlich ist.«
»Mission erfüllt«, sagte ich schniefend.
Mein Team ließ das Banner fallen, und alle rannten los, scharten sich um mich, sprangen auf und ab und jubelten. Da flossen die Tränen erst richtig.
Und ich schämte mich nicht mal dafür, denn ich hatte nicht geahnt, dass man sich überhaupt so glücklich fühlen konnte.
»Aufwärmübungen!«, brüllte ich, wenngleich mit etwas brüchiger Stimme. »Aufstellung an der Foullinie. In zwanzig Minuten legen wir mit dem ersten Pitch los, bis dahin seid ihr besser alle bereit.«
Bran salutierte zackig. »Ja, Doktor-Coach Jordy.«
»Doktor-Coach Jordy!«, griffen die anderen Kinder den neuen Titel prompt auf.
Ich wandte mich an Lucas. »Nur, damit es uns allen bewusst ist: Ich habe zwei Titel. Doktor und Coach.«
Lucas kniff sich den Nasenrücken. »Oh mein Gott, Alter.«
»Ich hab zwei, Shay hat einen, du hast keinen.« Mein Blick wanderte zu Haley. »Damit liege ich jetzt im Ranking wohl vorn, oder?«
»Du bist die Nummer eins.« Sie beugte sich mir zu und küsste mich. »Aber nur heute.«
Ich grinste. »Nehme ich.«
Nachdem ich den Kindern weitere Anweisungen erteilt hatte, marschierte ich auf das Spielfeld zu. Auch wenn es für mich das letzte Jahr als Coach in der Little League war, würden sie weiterhin in guten Händen sein. Lucas wusste es zwar noch nicht, aber ich würde ihn überreden, als Coach in der U12-Liga anzufangen, in die Bran aufsteigen würde.
Unsere Blicke begegneten sich, als er die Tribüne erklomm. Ich zeigte ihm einen aussagekräftigen Finger. Er schaute finster drein und setzte dazu an, sich zu revanchieren, bremste sich jedoch, als ihm klar wurde, dass ich mich inmitten all der Kinder befand.
Mein Freund wuchs tatsächlich zunehmend in seine Rolle als Vater hinein.
Trotzdem war ich allein die Nummer eins. Wenn auch nur für einen Tag.

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