SIZZLING ROMANCE WITH A KICK-ASS PLOT
Hattrick
Bonusszene
June
Fünf Jahre später
Kaum hatte ich die Eingangstür geöffnet, bombardierte mich ein Chor aus Kinderstimmen: »Süßes oder Saures!«
»Ach du meine Güte!«, heuchelte ich Überraschung. »Sieh sich einer diese wunderbaren Kostüme an! Ein Clown, ein kleiner Spiderman ... und bist du ein Schüler in Hogwarts?«
»Ich bin Hermine!«, verkündete das kleine Mädchen stolz.
»Richtig! Hundert Punkte für Gryffindor. Und einen Schokoriegel.«
Ich warf in jede mir entgegengestreckte Tüte ein paar Süßigkeiten, bevor ich den Kindern winkte, als sie zum nächsten Haus weiterzogen.
»Darin bist du ziemlich gut«, lobte Cole. »Aber warum schaust du so mürrisch drein?«
»Weil niemand mein Kostüm kapiert!«, klagte ich. »Am nächsten war noch die eine Mutter dran, die gemeint hat, ich wäre ’ne verrückte Wissenschaftlerin.«
»Dr. Frederick Frankenstein aus Frankenstein Junior ist halt etwas ungewöhnlich«, erwiderte Cole. »Und würde besser funktionieren, wenn Frankensteins Monster bei dir wäre. Wo steckt Elias eigentlich?«
»Bei der Aufschnittplatte in der Küche.« Ich zupfte an seinem violetten Mantel. »Aber du gibst einen schneidigen Willy Wonka ab.«
Er verneigte sich schwungvoll. »Verbindlichsten Dank, meine Liebe.«
Rhett kam herbeigeschlendert. »Sie ist nicht deine Liebe, Kumpel. Sondern meine.« Er hatte sich als Cowboy verkleidet und hielt die Hand über seine Pistole. »Willst du’s mit einem Duell klären?«
»Jim aus Der wilde wilde Westen duelliert sich nicht mit willkürlichen Süßwarenfabrikanten«, warf ich ein.
»Meine Interpretation von ihm schon.«
Ich verdrehte die Augen. »Die Party ist gut besucht. Die halbe Mannschaft hat vorbeigeschaut.«
»Cole hat sie dazu vergattert, herzukommen«, flüsterte Rhett.
»Das hab ich gehört. Und ja, ich habe deutlich durchklingen lassen, dass sie morgen beim Training dafür bezahlen, wenn sie nicht aufkreuzen.«
»Ich bin einfach froh, dass ihr zu Halloween ausnahmsweise freihabt«, sagte ich. »Sonst seid ihr so gut wie jedes Jahr unterwegs und verpasst es.«
»Cole beendet ja schon bald seine Karriere, dann kann er jedes Halloween zu Hause verbringen.« Rhett stupste seinen Kumpel in die Rippen.
»Blödsinn. Ich hab mindestens zwei weitere gute Jahre vor mir, bevor ich ans Karriereende denke.«
Rhett ignorierte ihn und sah mich an. »Er will unbedingt noch mal den Stanley Cup holen, ehe er die Schlittschuhe an den Nagel hängt.«
»Die Kernmannschaft dafür haben wir«, betonte Cole. »Sobald Jameson von der Verletztenliste ist, kann uns niemand in der Eastern Conference mehr schlagen.«
»Sieht gut bei ihm aus!«, warf ich ein. »Seine Reha verläuft schneller als erwartet. Bis Thanksgiving kann er definitiv wieder aufs Eis.«
»Thanksgiving war vor zwei Wochen«, kam von Cole.
Rhett verdrehte die Augen. »Wissen wir. Ihr stellt da oben in Kanada alle möglichen Verrücktheiten an. Lass gut sein.«
»Im Oktober ist es besser! Das amerikanische Thanksgiving ist zu knapp vor Weihnachten.«
Als es an der Tür klingelte, schnappte ich mir die Schüssel mit Süßigkeiten. »Darüber könnt ihr ohne mich diskutieren.«
Zuletzt hörte ich Rhett argumentieren, dass Atlanta in den USA lag, nicht in Kanada, und Cole deshalb das kanadische Thanksgiving nie wieder erwähnen sollte.
Lächelnd murmelte ich den Partygästen auf dem Weg zur Eingangstür ein paar Worte zu, ehe ich sie aufzog.
Aber statt Kindern, die Süßigkeiten wollten, standen meine Eltern auf der Veranda.
»Hi. Hübsche Aufmachung, Doktor!«, sagte mein Dad. Er trug eine Tracht wie fürs Oktoberfest.
»Danke«, gab ich zurück. »Du bist der Erste, der mein Kostüm erkennt!«
»Nur weil ich ihm verraten habe, was ihr als Motiv habt«, warf Mom ein. »Ich hab Kuchen mitgebracht.«
»Hättest du nicht tun müssen. Wir haben haufenweise Süßes da.«
»Na ja, ich konnte wohl kaum mit leeren Händen kommen.«
»Mr. Wilder!«, sagte Cole und umarmte meinen Dad. »Sie sehen heute Abend sehr deutsch aus.«
»Ich bin für Bier hier, also dachte ich mir, ich schmeiße mich entsprechend in Schale! Zeig mir, wo die Getränke sind.«
Kaum waren sie weg, beugte sich meine Mutter zu mir und flüsterte: »Ich möchte mit dir reden. Über deine ... Situation.«
Ich stöhnte. »Bei dir klingt das so skandalös.« Was es offen gestanden auch irgendwie war.
»Ich hab recherchiert«, fuhr sie im Flüsterton fort. »Das nennt sich Polyamorie.«
»M-hm.«
»Ihr vier seid in einem Polykül. Das Wort setzt sich aus Polyamorie und Molekül zusammen.«
»Danke für die Aufklärung, Mom.«
»Und du bist ... mit ihnen allen zusammen? Mit Rhett, Cole und Elias?«
»Genau.«
»Du liebst sie alle gleich?«
»So ist es«, bestätigte ich. »Auch wenn’s schwer zu glauben ist, meine Liebe für sie alle ist stärker als je zuvor. Und sie lieben mich umgekehrt mehr als irgendwas sonst.«
»Es macht ihnen gar nichts aus, dich zu teilen? Männer können sich selten auch nur irgendein Spielzeug teilen, geschweige denn eine Frau.«
»Dabei ist hilfreich, dass sie schon davor Teamkameraden waren«, erklärte ich.
Sie dachte darüber nach, bevor sie mit ernster Miene nickte. »Ich muss mit deinem Vater reden.«
»Mom!«
»Na ja, ich könnte auch ein paar Muskeln mehr zu Hause brauchen.«
»Darüber unterhalten wir uns nicht mehr«, entschied ich, nahm ihr den Kuchen ab und flüchtete in die Küche.
Dort traf ich meine drei Männer an – Elias als Frankensteins Monster über die Aufschnittplatte gebeugt. Der halbe Käse fehlte bereits.
»Das ist nicht nur für dich«, sagte ich zu ihm. »Die Gäste wollen auch was davon.«
Er antwortete mit einem monströsen Stöhnen. Hinter ihm wühlte meine Mutter in den Schränken und klagte darüber, dass ich kein Tortenmesser besaß.
»Du gehst ja voll in deinem Kostüm auf.«
Elias grunzte und lächelte.
»Es ist perfekt für ihn«, befand Rhett grinsend. »So kann er arschig zu allen sein, ohne dafür Ärger zu kriegen.«
Elias streckte die Hände wie Frankensteins Monster aus und marschierte langsam auf seinen Teamkameraden zu. Rhett tat so, als wollte er seine Pistole ziehen, bis Cole mit seinem Stock dazwischenging.
»Aber, aber. Kein Streit in der Schokoladenfabrik.«
»Genau«, sagte ich.
»June?«, fragte meine Mutter plötzlich. »Was ist das?«
Sie hatte das Medizinschränkchen neben dem Kühlschrank geöffnet und betrachtete eine Flasche. Unwillkürlich schnappte ich nach Luft, als ich erkannte, worum es sich handelte.
»Ich kann’s nicht leiden, wenn du herumschnüffelst«, schimpfte ich, entriss ihr die Flasche und schloss das Schränkchen.
»Ich hab nur ein Tortenmesser gesucht. Aber warum nimmst du Fruchtbarkeitspräparate, June? Bist du ...«
Alle in der Küche waren verstummt. Man hörte nur im Hintergrund die wummernde Partymusik und das Geplapper der anderen Gäste in den umliegenden Zimmern.
»Wir versuchen es«, gab ich zähneknirschend zu. »Oder wollen zumindest bald damit anfangen. Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit jemandem darüber zu reden.«
»Oh.« Meine Mutter sah die Männer im Raum nacheinander an und lief dabei rot an. »Das wusste ich nicht.«
»Richtig.«
»Ist das wahr?«, fragte Rhett. »Du fühlst dich bereit dafür? Als wir zuletzt darüber gesprochen haben ...«
»Ja, ich glaube, inzwischen bin ich bereit«, fiel ich ihm ins Wort. »Nur wollte ich mir endgültig darüber klar werden, bevor ich es bei euch allen zur Sprache gebracht hätte. Ich hatte dafür auf einen etwas intimeren Rahmen gehofft.«
Cole zog mich in eine innige Umarmung. »Wenn du bereit dafür bist, dann bin ich’s auch.«
»He, warte gefälligst, bis du dran bist, Partner«, sagte Rhett, schob ihn weg und küsste mich. Ohne Cole anzusehen, zog er seine unechte Pistole und richtete sie auf ihn. »Meinst du, ich wäre ein guter Vater?«
»Nein«, gab ich zurück. »Ich denke, du wärst ein großartiger Vater.«
»Hm«, brummte Cole. »Vielleicht beende ich die Karriere doch früher als geplant.«
»Nachdem wir dieses Jahr noch ’ne Trophäe geholt haben«, sagte Rhett. »Dann kannst du auf dem Höhepunkt abtreten.«
»In neun Monaten haben wir nächsten Juli ... das wäre direkt nach dem Finale um den Stanley Cup«, dachte Cole laut nach. »Das Timing wäre verdammt gut.«
»Jetzt mal langsam, Leute!«, bremste ich die Jungs. »Heute Nacht werde ich nicht schwanger. Vielleicht bald, aber noch nicht.« Ich erhob mein Bier. »Im Moment freue ich mich einfach, von all den Menschen umgeben zu sein, die ich liebe.«
»Und die umgekehrt dich lieben«, ergänzte mein Dad.
»Baby!«, sagte Elias, nach wie vor in der Rolle von Frankensteins Monster. »Ich guter Vater! Ja!«
Damit hob er mich hoch und trug mich monströs stöhnend durch die Party, ohne auf meine Proteste zu achten.
Ja. Ich fühlte mich definitiv bereit dafür, mit diesen drei eine Familie zu gründen.
Und ich konnte es kaum erwarten zu sehen, was für tolle Väter sie alle sein würden.