SIZZLING ROMANCE WITH A KICK-ASS PLOT
Muse für die Rockstars
Bonusszene
Roxie
Ungefähr zwei Trimester später
»Ich darf das Baby als Erster halten!«, verkündete Milo in dem Moment, als wir aus dem Auto stiegen.
»Nein«, widersprach ich und zeigte mit dem Finger auf den Schlagzeuger. »Heute gibt’s keine albernen Mätzchen. Ich lerne gleich das Baby meiner besten Freundin kennen.«
»Im Moment bist du bei einer Zehn«, wandte sich Cash an Milo und hielt die Hand quer auf Augenhöhe. »Wir brauchen dich auf einer Zwei.« Er senkte die Hand zur Taille.
»Mehr als eine Drei kriege ich nicht hin!«, klagte Milo. »Bin zu aufgeregt!«
Ich drückte ihm einen Kuss auf die Wange. »Sind wir alle. Aber sie wird mich vielleicht bitten, Patin zu werden. Also musst du dich von deiner besten Seite zeigen.«
Er salutierte verspielt vor mir. »Verstanden, Groupie-Befehlshaberin Roxie.«
»Und wir wissen nicht, wie das Babys heißt?«, fragte Riot.
»Nein. Meghan will mir die Kleine vorstellen. Also ruiniert es nicht mit einem Haufen alberner Vorschläge.«
»Ich find’s überhaupt nicht albern, das Baby Cherry Midnight zu nennen«, brummelte Milo.
Riot sah auf die Armbanduhr. »Wie lange werden wir hier sein?«
Ich verdrehte die Augen. »Ich weiß, dass du die Aktualisierung der Charts abrufen willst. Aber dafür haben wir später noch reichlich Zeit.«
»Mir ist halt nicht klar, warum wir alle hier sein müssen«, klagte der Leadsänger.
Ich trat auf die Veranda und wirbelte zu ihm herum. »Weil’s mir wichtig ist. Und weil wir vier unterm Strich allein durch Meghan zusammen sind.«
»Wirklich?«, fragte Milo.
»Ursprünglich wollte ich euch gar nicht auf der Tour begleiten«, stellte ich klar. »Meghan hat mich dazu überredet.«
Riot schaute verdattert drein. »Warte, du wolltest nicht mitkommen? Du musstest dazu überredet werden?«
»Still«, sagte ich. »Zerbrich dir den Kopf darüber ein andermal. Jetzt ist Babyzeit.«
Ich war gewarnt worden, dass ich weder anklopfen noch klingeln sollte. Stattdessen textete ich Jeff und gab Bescheid, dass wir eingetroffen waren. Zwei Sekunden später öffnete sich die Tür.
»Roxie«, sagte er liebevoll und umarmte mich. »Danke, dass du alle mitgebracht hast. Du wirst gleich sehen, warum.«
»Kennst du schon alle?«, fragte ich.
»Tatsächlich nicht.« Jeff schüttelte den Mitgliedern der Band die Hand und stellte sich ihnen vor. »Bin grad ein bisschen überwältigt. Erst heute Morgen hab ich mir euer NPR Tiny Desk-Konzert auf YouTube angesehen.«
»Scheiße, ja!«, rief Milo. »Wir sind jetzt ’ne große Nummer.«
»Pst«, flüsterte ich.
»Shit, tut mir leid.« Milo presste die Lippen zusammen.
»Wegen dem Konzert war ich zu Meghans verfrühter Entbindung nicht hier«, sagte ich. »Das tut mir immer noch leid.«
»Muss es nicht. Meghan wollte während der Wehen niemanden um sich haben.« Als Jeff uns ins Haus führte, flüsterte er über die Schulter: »Hab die Ankündigung der großen Tour gesehen. Meghan und ich kommen zum Konzert in Austin. Das heißt, falls wir jemanden zum Babysitten finden. Im Moment weicht Meghan nie länger als ein paar Sekunden von der Seite der Kleinen. Nicht mal, wenn sie aufs Klo muss.«
»Wie funktioniert das denn?«, fragte Cash.
Jeff sah ihn an. »Das willst du nicht genau wissen. Jedenfalls halte ich dabei das Baby, und eine bestimmte Tür steht offen. Sie ist gleich da drin. Die Kleine ist gerade eingeschlafen, also bitte keine lauten Geräusche.«
Milo hielt weiterhin den Mund und zeigte den Daumen hoch.
Jeff öffnete die Tür zum Kinderzimmer, und wir traten nacheinander ein.
Meghan saß in einem gepolsterten Sessel und hielt ein kleines rosa Bündel zärtlich an die Brust gedrückt. Ihre Züge hellten sich auf, als sie uns erblickte. Langsam erhob sie sich, damit ich sie und das Baby umarmen konnte.
»Du hast ja keine Ahnung, wie ich mich freue, euch zu sehen!«, flüsterte ich. »Nach allem, was du durchgemacht hast, um schwanger zu werden ...«
»Am Ende hat es sich gelohnt«, erwiderte Meghan leise.
»Darf ich fragen, an welchem Tag sie zur Welt gekommen ist?«, sagte Cash.
»Letzten Donnerstag«, antwortete Jeff. »Am 4. Juni. Warum?«
»Ich will nichts unterstellen«, meinte Cash vorsichtig, »aber das ist ziemlich genau neun Monate nach unserem Konzert in Austin. Bei dem wir die Vorband für Rainknife waren.«
»Bei dem wir Meghan und Roxie kennengelernt haben«, kam von Riot. Argwöhnisch betrachtete er den Säugling, als wäre die Kleine eine Bombe, die jeden Moment hochgehen könnte.
Jeff schmunzelte. »Meghan wird nach zwei Drinks ziemlich anschmiegsam. Und an dem Abend hatte sie sicher mehr als zwei.«
»Wir haben’s in der Nacht zweimal getrieben!«, verriet Meghan, wegen des Babys nach wie vor mit gedämpfter Stimme. »Eure Musik hat mich in Stimmung gebracht.«
»Das sind mehr Details, als ich wollte«, klagte ich. »Sag mir lieber, wie der kleine Engel heißt!«
»Oh! Richtig!« Meghan straffte die Schultern und räusperte sich. »Roxie, meine beste Freundin auf der Welt. Darf ich vorstellen – meine Tochter ... Cherry Meredith.«
Ich nahm die Kleine wie den kostbaren Schatz entgegen, der sie war. »Cherry?«
»Heilige Scheiße!«, entfuhr es Milo. »Ich hab den Namen erraten!«
»Verdammt, Milo hatte tatsächlich recht«, murmelte Cash.
Riot legte den Arm um mich und beugte sich vor, um Cherrys Gesichtchen zu betrachten. »Du ... hast deine Tochter nach unserer Band benannt?«
»Hat sich in Anbetracht aller Umstände passend angefühlt«, erklärte Meghan.
»Ich ...« Riot verstummte abrupt.
Ich schaute zu ihm auf. »Weinst du etwa?«
»Das ... geht mir halt nahe«, sagte er mit zunehmend belegter Stimme. »Dieses kleine, atmende Wesen ist wegen unseres Konzerts entstanden. Und jetzt ist es auch noch nach unserer Band benannt! Ich ... äh, muss schnell was nachsehen.«
Damit verließ er hastig das Zimmer. Kurz darauf hörten wir, wie er sich im Bad die Nase putzte.
»Ich hab immer gewusst, dass er tief drin ein Softie ist«, sagte Meghan. »Roxie, ich wollte dich außerdem was fragen. Würdest du uns die Ehre erweisen, Cherrys Patin zu werden?«
»Ja!«, antwortete ich, während ich liebevoll das Baby hielt. »Das überrascht mich jetzt total. Aber liebend gern.«
Cash beugte sich zu Meghan und verriet: »Sie hatte gehofft, du würdest sie fragen.«
»Hast Glück, dass ich gerade meine Patentochter in den Armen habe, sonst wäre jetzt ein Klaps auf den Hinterkopf fällig«, sagte ich zu ihm.
»Darf ich sie auch halten?«, meldete sich Milo zu Wort. »Hab mich sicherheitshalber vor zwei Wochen gegen Keuchhusten impfen lassen. Und ich hab Handdesinfektionsmittel dabei!« Er holte ein Fläschchen aus der Tasche und spritzte sich Flüssigkeit auf die Hände.
»Aber sei vorsichtig«, mahnte Meghan. »Sie ist ein Säugling, kein Drumstick.«
»Für Milo«, murmelte Cash, »ist beides gleich kostbar.«
Unser Schlagzeuger nahm das Baby von mir entgegen und bettete es an seine Brust. Mit großen Augen starrte er uns an. Sein Mund stand halb ungläubig, halb ehrfürchtig offen.
»Seht mich an!«, sagte er. »Und dabei ist das nur das Zweitcoolste heute.«
»Und was war das Coolste?«, erkundigte sich Meghan.
»Äh, unser neues Album!«, antwortete Milo. »Wir haben’s während der Tour mit Roxie geschrieben und aufgenommen.«
»Oh!« Meghan hob die Hand an die Schläfe und schüttelte den Kopf. »Ist mir entgangen. Seit der Rückkehr aus dem Krankenhaus hab ich insgesamt vielleicht sechs Stunden geschlafen.«
»Habt ihr schon die Charts gesehen?«, fragte Jeff, der auf seinem Handy wischte. »Sind gerade aktualisiert worden, und ...«
Grinsend zeigte er das Display in unsere Richtung.
»Euer Album ist in den Top Ten! Hat soeben Chappell Roan überholt!«
Still jubelten wir zusammen, indem wir die Fäuste in die Luft streckten und uns gegenseitig umarmten.
»Ich wollte gerade ’nen Witz darüber reißen, dass man so ’n Baby wie ’nen Football werfen könnte«, flüsterte Milo.
»Wag es ja nicht!«, zischte Meghan.
»Hab ich ja nicht! Ich hab Zurückhaltung bewiesen!«, rechtfertigte sich Milo.
»Heißt das, wir können uns bei der nächsten Tour durchgehend Hotels leisten?«, fragte ich.
Cash lächelte mich an. »Hätten wir so schon gekonnt. Jetzt können wir uns bessere Hotels leisten. Mit Swimmingpools auf dem Dach.«
»Ich will in jeder Stadt ’ne Massage«, sagte Milo an Cherry gewandt. »Vom vielen Trommeln werden diese Arme müde. Die Schultern nimmt es auch in Anspruch. Wenn du alt genug bist, bringe ich es dir bei. Wird deinen Eltern zwar nicht gefallen, aber da haben sie einfach Pech gehabt! Onkel Milo wird dir nämlich ein Schlagzeug kaufen, selbst wenn wir’s bei uns aufstellen müssen!«
Jeff kniff sich den Nasenrücken und murmelte: »Um Himmels willen ...«
Cash schlang den Arm um meine Taille, während wir beobachteten, wie Milo mit dem Baby plauderte. »Willst du auch mal eines?«
»Vielleicht«, räumte ich ein. »Irgendwann.«
»Irgendwann«, pflichtete Cash mir lächelnd bei.
»Riot ist derjenige, den du überzeugen musst«, wandte sich Milo an uns. »Er will keine Kinder.«
»Ich halte es für durchaus möglich, dass er in diesem Moment seine Meinung ändert«, erwiderte Cash. Immer noch hörten wir den Leadsänger im Badezimmer schniefen und sich die Nase putzen.
»Irgendwann«, wiederholte ich. »Wenn wir mit dem Rock-’n’-Roll-Lebensstil durch sind.«
Während ich beobachtete, wie zärtlich Milo das Baby wiegte, konnte ich mir das für die Zukunft mit meinen drei Männern gut vorstellen.
Vorerst jedoch wollten wir noch eine Menge Spaß miteinander haben.