Nanny
für den
Milliardär

Bonusszene

Kate

Fünf Jahre später

Das fühlt sich wie ein Déjà-vu an, ging mir durch den Kopf.
Ich saß auf dem Boden im Kinderzimmer und brachte den Zwillingen geduldig Deutsch bei. Es lief nicht gut. Obwohl sie mir in den ersten Tagen ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt hatten, wollten sich an dem Tag beide nicht konzentrieren. Sie waren gelangweilt, unruhig und wollten lieber draußen spielen.
»Sprecht mir nach«, forderte ich sie zum zehnten Mal auf. »Wo ist ...« 
Natürlich handelte es sich bei den Zwillingen nicht um Allie und Barry. Nein, es waren die neuen Zwillinge: Christopher und Danielle. Die Zwillinge, die ich vor vier Jahren zur Welt gebracht hatte.
Es war Braxtons Idee, sie so zu nennen. Alexandria, Bartholomew, Christopher, Danielle. A, B, C, D. Die beiden Letzteren waren auf unserer Reise nach Paris gezeugt worden. Dabei mussten sie wohl etwas von der Kultur mitbekommen haben, denn sie besaßen den temperamentvollen Charakter der Pariser. 
Wer der Vater war, wusste ich nicht. Christopher hatte rötlich-blondes Haar, Danielle tiefrotes. Allerdings besaß Danielle blaue Augen, Christopher meergrüne. Ich war mir ziemlich sicher, dass Mathias oder Adam der biologische Vater war. Möglicherweise auch beide. Zweieiige Zwillinge stammten aus zwei getrennten Eizellen, es könnte also jede von einem anderen Mann befruchtet worden sein.
Aber es spielte keine Rolle. Nicht wirklich. Meine drei Ehemänner lieben die neuen Zwillinge alle gleich. Adam und Braxton hatten sogar den Namen ihrer Firma für sie geändert, von ABK Capital in ABCD Capital. Obwohl es ein mühsames Unterfangen war, ein gesamtes Unternehmen offiziell umzubenennen, hatten sie darauf bestanden. 
Danielle spielte mit ihren langen rotbraunen Locken. »Sprecht mir nach, hab ich gesagt. Wo ist das Auto?« 
»Ich will mit Autos spielen«, verkündete Christopher und rannte zur Spielzeugkiste, um ein Auto herauszuholen. »Von Fremdsprachen hab ich genug.« 
Seufzend legte ich meinen Lehrplan beiseite. Es war nicht einfach, sich die Aufmerksamkeit eines Vierjährigen über längere Zeit zu sichern. Und mittlerweile übten wir seit vierzig Minuten. 
»Na schön, ich denke, es ist Zeit für eine Mittagspause«, verkündete ich. 
»Juhu!«, jauchzten die Zwillinge, sprangen auf und rannten aus dem Zimmer.
Unsere neue Köchin, eine großmütterliche Chilenin namens Maria, beherrschte ihr Handwerk hervorragend. Claudette war vor zwei Jahren in Rente gegangen und verbrachte ihre Zeit damit, die Welt zu bereisen und köstliches, exotisches Essen zu genießen. Das letzte Foto, das sie geschickt hatte, stammte aus der Schweiz. Darauf kuschelte sie mit einem grauhaarigen Mann an einem Feuer und trank Kakao. 
Allerdings fehlte sie mir. Und so sehr Mathias es leugnete, ich wusste, dass für ihn dasselbe galt.
Während die Zwillinge aßen, betrachtete ich durchs Fenster die Stadt. Es war ein herrlicher Sommertag, und Lower Manhattan funkelte in der Sonne. Das hohe Gebäude von Nash Capital stach deutlicher hervor als andere Wolkenkratzer, da wir dort mehrere Jahre lang gewohnt hatten. Letztlich jedoch waren wir in dieses Gebäude umgezogen, nachdem ABCD Capital den Betrieb aufgenommen hatte. Dieses Penthouse war noch größer und luxuriöser als das vorherige.
Und von mehr Liebe erfüllt.
»Beeilt euch und esst auf«, sagte ich zu den Zwillingen. »Wir erleben heute draußen ein Abenteuer.« 
Die Zwillinge quiekten aufgeregt und verschlangen den Rest des Essens. Dann gingen wir nach unten, wo der Bodyguard bereits am Eingang auf uns wartete. Nelson war zum Sicherheitsleiter von ABCD Capital befördert worden, deshalb begleitete uns an diesem Tag ein anderer Leibwächter.
Vor dem Gebäude lauerte eine Fotografin. Sie knipste ein paar Bilder, dann blieb sie auf Abstand, während wir durch die Stadt schlenderten. Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt. Das war der Preis dafür, mit einem der berühmtesten Milliardäre von New York City verheiratet zu sein. 
Und er war es auf jeden Fall wert. 
Wir spazierten sechs Blocks nach Norden zum Park, spielten dort ein bisschen und gingen danach weiter nach Osten zu Mathias’ Fitnessstudio. Eines seiner Fitnessstudios. Inzwischen betrieb er zehn Standorte im gesamten Dreistaatengebiet. Aber bei diesem handelte es sich um das erste Studio, und es erwies sich als berstend voll. 
»Bleibt dicht bei mir, während wir in Daddys Fitnessstudio sind«, forderte ich die Zwillinge auf. »Wenn ihr jemandem in den Weg kommt, könntet ihr euch verletzen.«
Trotz ihrer Sturheit beim Sprachunterricht gehorchten sie mir die meiste Zeit brav. Sie blieben unmittelbar neben mir, als wir hineingingen. Ich entdeckte Mathias sofort auf der anderen Seite des großen Raums, wo er zwischen den Maschinenreihen auf und ab ging. 
»Super-stark, Lee!«, rief er einem Mann zu. »Zehn Stundenkilometer, Phoebe? Du bist ein Superstar!« Er klatschte mit der Frau auf dem Laufband ab. 
Ich lächelte, während ich ihn beobachtete. Obwohl er mittlerweile Multimillionär war, ließ er sich den persönlichen Kontakt zu seinen Klienten nicht nehmen. Selbst, wenn er es mal zum Milliardär brächte, würde sich daran nichts ändern, das wusste ich. So war er nun mal. 
Mathias erblickte uns auf der anderen Seite des Studios. Er warf die Hände hoch und kam zu uns gerannt. Prompt sank er auf die Knie und umarmte die Zwillinge, ein Kind mit jedem Arm. 
»Liebste!«, sagte er und gab mir einen Kuss. »Kommst du zum Schwitzen? Ich kann auf die Kleinen aufpassen, wenn du trainieren willst.« 
»Wir sind nur draußen, um den herrlichen Tag zu genießen«, antwortete ich. »Wirst du zum Abendessen zu Hause sein?« 
Er warf einen Blick auf die Armbanduhr und fuhr mit dem Finger über das Display. »Ich hab heute Nachmittag mehrere Termine. Ich sollte es rechtzeitig zum Abendessen nach Hause schaffen, aber sorg dich nicht, falls ich mich verspäte.« 
Ich zwang mich zu einem Lächeln. »Dann sehen wir uns später.« Ich küsste ihn auf die Wange und runzelte die Stirn, als wir das Fitnessstudio verließen.
»Was ist denn, Mami?«, fragte Christopher. 
»Alles gut«, beteuerte ich und setzte mein fröhliches Muttergesicht auf. »Gehen wir Tante Miranda besuchen.« 
Mirandas Apartment lag nur wenige Blocks entfernt. Der Pförtner ließ uns rein, und wir fuhren mit dem Aufzug in ihr Stockwerk. Sobald sie die Tür öffnete, wurden wir von schreienden Kindern umringt.
Christopher und Danielle stürmten ansatzlos hinein, um sich dem ausgelassenen Reigen anzuschließen.
Miranda warf mir einen müden Blick zu. »Kommst du, um den Zoo zu begaffen?« 
»Ist doch nicht meine Schuld, dass Nelson und du Kinder wie am Fließband in die Welt setzen!«, erwiderte ich lächelnd. Ihr erstes Kind hatten sie in den Flitterwochen in Paris gezeugt, und seitdem haben sie nicht mehr aufgehört. Ich konnte mir nicht vorstellen, fast vier Jahre lang mehr oder weniger durchgehend schwanger zu sein. Die neun Monate mit den Zwillingen hatten mir gereicht.
»Manchmal vermisse ich meinen Job als Kindermädchen«, sagte Miranda, während sie mir Nachmittagstee servierte. »Am Ende des Tags konnte ich einfach ... gehen! Ich konnte nach Hause zu Ruhe und Frieden!« 
»Du würdest nichts ändern wollen«, stichelte ich.
»Oh, ich weiß. Kinder zu erziehen, ist viel erfüllender, wenn es die eigenen sind. Nur manchmal ... Connor! Was hab ich dir übers Ziehen an den Haaren deiner Schwester gesagt?« 
Ich lächelte, während sie auf der anderen Seite des Raums mit ihrem Kind schimpfte. So anstrengend mir meine Zwillinge manchmal vorkamen, wenn wir hier waren, wurde ich jedes Mal daran erinnert, wie leicht ich es in Wirklichkeit hatte.
»Freust du dich auf heute Abend?«, fragte Miranda, als sie zurückkam.
»Ich weiß nicht.« 
»Was? Warum nicht?« 
»Ich glaube, die Jungs haben es vergessen.« 
Miranda schnaubte. »Das würden sie nicht vergessen.« 
»Ist keine große Sache,« meinte ich. »Adam und Braxton waren in letzter Zeit so beschäftigt mit den Vorbereitungen für die Niederlassung in Seoul. Und Mathias eröffnet gerade zwei neue Fitnessstudios auf Long Island. Wäre total in Ordnung, wenn sie nichts geplant haben.« 
»Tja, ich werd auf jeden Fall da sein«, kündigte Miranda an. »Falls sie es vergessen haben, helfe ich dir, ihnen den ganzen Abend finstere Blicke zuzuwerfen.« 
»Ach ja? Hast du ein neues Kindermädchen gefunden?«, fragte ich.
Sie verdrehte die Augen. »Ja, aber ich glaube, ich mag sie nicht. Neulich hab ich sie dabei ertappt, wie sie Nelson angeglotzt hat. Wenn sie ihm auch nur zuzwinkert, gestalte ich ihr Auto mit dem Baseballschläger um.« 
»Deine Nanny hat ein Auto? In der Stadt?«, fragte ich skeptisch.
»Im übertragenen Sinn. Der springende Punkt ist, dass sie sich besser vorsehen sollte.«
»Ich glaub, du bist paranoid. Eine Nanny, die mit dem Vater der Kinder schläft, auf die sie aufpasst? Das würde nie passieren.«
Es gelang mir tatsächlich, bei den Worten keine Miene zu verziehen. Miranda sah mich mürrisch an und entriss mir die leere Teetasse. »Der Witz war nur die ersten tausend Mal lustig, die du ihn erzählt hast. Wir sehen uns heute Abend.« 
Nachdem ich meine Sprösslinge aus dem Getümmel aufgeregter Kinder herausgeholt hatte, kehrten wir zu Fuß zurück zu unserem Gebäude. Aber statt mit dem Aufzug ins Penthouse zu fahren, steuerte ich die Büroetage an. 
»Mrs. Renfroe!«, sagte Braxtons beherzter persönlicher Assistent, als wir eintrafen. »Und die Zwillinge! Ich glaube, ich habe noch Lutscher in meiner Schublade ...«
»Tut mir leid, dass ich unangemeldet vorbeikomme. Sind die Männer beschäftigt?« 
»Mr. Nash und Mr. Renfroe haben gerade eine strategische Planungsbesprechung ... Aber ich denke nicht, dass sie eine Unterbrechung stören würde.« 
Nachdem die Zwillinge zwei Lutscher entgegengenommen hatten, stürmten sie in den großen Büroraum, den sich Braxton und Adam teilten. Meine Männer standen vor einem riesigen, an der Wand montierten Computerbildschirm, der Tabellen und Diagramme zeigte. Adam berührte den Monitor. Unter seiner Fingerspitze erschien eine neue Zeile.
»Bei der Bewertung der Marktkapitalisierung stimme ich dir zu, aber ...« Abrupt verstummte er, als er uns bemerkte. »Christopher! Danielle!« 
Die Zwillinge stürmten durch den Raum und umarmten ihn. Dann wendeten sie und drückten Braxton genauso innig. 
»Wollte nur nach euch beiden sehen«, sagte ich. »Irgendeinen besonderen Wunsch fürs Abendessen?« 
Mit der Frage wollte ich herausfinden, ob sie daran gedacht hatten, welchen Tag wir hatten. Braxton zuckte mit den Schultern. »Was auch immer Maria geplant hat, ist mir recht.« 
Danielle hatte sich Adams Brille geschnappt. Sie setzte sie selbst auf und sah sich mit zusammengekniffenen Augen im Raum um. Adam holte sich seine Brille zurück und meinte: »Wir müssen nach dem Essen leider noch mal arbeiten. Also werd ich einfach runterschlingen, was immer sie kocht.« 
»Oh, okay«, sagte ich. »Dann lasse ich euch mal weitermachen. Kommt, ihr zwei. Lasst eure Daddys in Ruhe arbeiten.« 
Auf dem Weg zum Penthouse blieb meine Miene verkniffen. Sie hatten es tatsächlich vergessen. 
Ich stürzte mich in den nachmittäglichen Deutschunterricht. Da die Zwillinge bei unserem kleinen Ausflug ein wenig Energie abgebaut hatten, erwiesen sie sich als aufmerksamer als zuvor. Am Ende des Tages war ich zufrieden damit, was wir erreicht hatten.
Gegen vier kamen Allie und Barry von der Schule nach Hause. In ihren schwarz-weißen Schuluniformen sahen sie unheimlich schneidig aus. Allie hatte ihren Wachstumsschub noch nicht gehabt, Barry hingegen war inzwischen groß und schlaksig. Er würde genauso attraktiv wie sein Vater werden, sobald er ein wenig an Muskelmasse zulegte. 
»Chrissy, Dani, erzählt mir, was ihr heute gelernt habt«, sagte Barry.
»Nenn mich nicht Chrissy! Mein Name ist Christopher.« 
»Und wie sagt man das auf Deutsch?«, hakte Allie nach.
»Mein Name ist Christopher«, antwortete er ohne jedes Zögern mürrisch auf Deutsch.
»Gut so, Christopher«, lobte Barry und zerzauste ihm das Haar. »Willst du mir beim Videospielen zusehen?«
»Ja!« Sie rannten los ins andere Zimmer.
Die älteren Zwillinge waren mir eine große Hilfe bei den Sprachen, da sie mit den Kleinen sowohl am Esstisch als auch beim gemeinsamen Spielen übten. Das erleichterte mir die Arbeit ungemein. Ich wusste, dass Allie und Barry irgendwann nicht mehr mit ihren jüngeren Geschwistern spielen wollen würden, doch vorläufig freute ich mich einfach darüber. 
Während sich die Kinder vergnügten, las ich ein Buch, allerdings gelang es mir nicht, mich damit von Gedanken an den Abend abzulenken. Meine Enttäuschung lastete wie ein Stein in meinem Magen, der schwerer und schwerer wurde. 
Miranda und Nelson kamen gegen sechs Uhr vorbei. Mittlerweile duftete es aus der Küche nach dem Essen, das Maria zubereitete, was immer es sein mochte. 
»Immer noch nichts?«, fragte mich Miranda. 
Ich schüttelte den Kopf.
»Ich bin sicher, dass sie daran gedacht haben«, meinte Nelson und holte sein Handy heraus.
Miranda riss es ihm aus der Hand. »Wag es ja nicht, ihnen zu texten und sie zu erinnern.« 
Nelson hob die Hände. »Wollte ich gar nicht, ehrlich. Ich wollte nur nachsehen, wie’s beim Spiel der Mets steht.« 
Mathias kam als Erster nach Hause. Er eilte mir aus dem Flur entgegen, umarmte mich und wirbelte mich herum. 
»Wofür ist das denn?«, fragte ich. 
»Ich brauch keinen besonderen Grund, um meine Frau zu umarmen«, erklärte er. 
Allerdings hielt er mich immer noch fest und in die andere Richtung gedreht. Beinah so, als wollte er etwas verbergen. Ich drehte den Kopf, spähte an ihm vorbei und sah, wie Braxton und Adam in die Küche eilten. Dabei flüsterten sie sich gegenseitig zu.
Mit zusammengekniffenen Augen richtete ich den Blick auf Mathias. »Ihr habt es alle bis gerade eben vergessen, oder? Die stürmen jetzt in die Küche, um noch hastig eine Karte zu unterschreiben oder so.« 
Mathias warf einen Blick über die Schulter. Er wirkte besorgt. »Oh, äh, nein! Natürlich nicht! Das würden wir nie vergessen.« 
Miranda schnaubte laut. 
Meine beiden anderen Ehemänner kamen aus der Küche und schauten schuldbewusst wie zwei Kinder drein, die alle Kekse genascht hatten. 
»Das Abendessen ist serviert«, rief Adam. »Kinder! Essen fassen!« 
Wir versammelten uns alle um den großen Tisch im Esszimmer. Braxton nahm den Platz am Kopfende ein, ich setzte mich auf einer Seite neben ihn, Barry und Allie auf der anderen. Neben mir saßen Christopher und Danielle, auf der anderen Seite Mathias und Adam. Miranda und Nelson befanden sich gegenüber neben Allie. Am Ende blieb ein Stuhl frei. 
»Was auch immer da köchelt, es riecht fantastisch«, befand Braxton lächelnd.
Ich schenkte mir Rotwein ein und erwiderte: »Ich hoffe, ihr könnt lang genug bleiben, um es zu genießen.« 
»Oh, ich denke schon«, warf Adam ein.
Die Tür zur Küche öffnete sich, und Maria kam mit einem großen Topf vor dem Gesicht heraus. 
Aber als sich der Topf senkte, erkannte ich, dass es gar nicht Maria war. Ein paar Sekunden lang kam mein Gehirn nicht mit. Braxton, Adam und Mathias grinsten mich breit an und warteten darauf, dass ich begriff.
»Claudette?«, fragte ich. »Claudette!« 
Sie stellte den Topf ab und sah mich strahlend an. Ich sprang auf und umarmte die kleine, großmütterliche Frau innig. An der Tür zur Küche lächelte Maria freudig. 
»Ich bin für ein paar Tage zurück in Amerika«, ließ Claudette mich wissen. 
»Wir wollten dich damit überraschen«, sagte Braxton. 
»Ich hab eurer neuen Köchin mein Rezept für Hühnchen al Wodka gegeben«, verriet Claudette und schnupperte an dem Topf. »Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen.« 
Claudette setzte sich zu uns an den Tisch, während Maria servierte. Ich bedachte jeden meiner Männer mit einem mürrischen Blick. Alle grinsten selbstgefällig zurück. 
»Du magst Überraschungen«, sagte Adam.
»Ich mag richtige Überraschungen«, gab ich zurück. »So zu tun, als hättet ihr alle unseren Jahrestag vergessen, ist keine Überraschung.« 
»Jahrestag?«, fragte Allie. »Ich dachte, der wäre im Oktober.«
»Heute ist der Jahrestag, an dem ich angefangen habe, als eure Nanny zu arbeiten«, erklärte ich. »Wäre ich damals nicht zu dem Job angetreten, wäre ich jetzt nicht eure Mutter. Und Christopher und Danielle wären nie auf die Welt gekommen.« 
»Und am wichtigsten«, fügte Miranda zu, »Nelson und ich wären nicht verheiratet.« 
»Das würde ich jetzt nicht unbedingt als das Wichtigste einstufen«, merkte Adam an.
»Es dreht sich nicht immer alles nur um dich«, konterte Miranda verschnupft. »Du hast deine Chance bei mir verpasst, Mr. Renfroe.« 
Adam grinste und biss in ein Stück Knoblauchbrot. 
Ich erhob mein Glas zu einem Toast. »Ich freue mich, dass ihr alle hier seid. Vor allem über dich, Claudette. Auf die letzten fünf Jahre!« 
»Auf fünf weitere wie sie«, sagte Braxton.
»Auf fünfzig weitere!«, dröhnte Mathias. 
»Bis dahin bin ich über neunzig«, sagt Braxton. »Ich weiß nicht, ob Kate mich dann immer noch so lieben kann.«
»Es gibt Pillen, die dabei helfen«, erwiderte Mathias. 
Barry verzog das Gesicht. »Pillen? Vitamine oder so?«
»Ja!«, bestätigte Adam schnell. »Vitamine. Das hat Mathias gemeint. Stimmt’s, Onkel Mat?«
Mathias’ Miene wurde ernst. »Ich hab eigentlich von Medikamenten gegen Erektionsstörungen gesprochen.« 
Alle stöhnten. Mathias sah sich verwirrt um.
»Zehn Minuspunkte für Mathias«, sagte Braxton. 
»Was denn?«, fragte Mathias. »Ich hab den Witz doch bloß erklärt. Damit ihn alle verstehen.« 
Allie hob die Hand. »Ich versteh ihn immer noch nicht.« 
»Das erklären wir dir, wenn du älter bist«, kam von Adam. 
Ich beugte mich hinüber und küsste Braxton auf die Wange. »Ich werde dich immer noch lieben, wenn du so alt bist, mit oder ohne Pillen.« 
»Solange du Milliardär bist, werd ich dich immer lieben«, fügte ich scherzhaft hinzu.
Braxton lächelte, während er seine Nudeln aß. »Um Geld ist es nie gegangen.«
»Stimmt«, bestätigte ich lächelnd. »Ist es nicht.«

Das Ende