Von den Cowboys geteilt
Bonusszene

Rebecca
Dreizehn Jahre später

Ich beobachtete, wie Cody die Zügel hielt, während Mary Beth einen Fuß in den Steigbügel stellte.
»Vorsichtig!«, zischte ich.
»Es ist alles in Ordnung«, antwortete Cody gelassen.
»Es ist nur in Ordnung, wenn ihr vorsichtig seid.«
»Sie ist vorsichtig. Sie macht es genauso, wie ich es ihr erklärt habe.«
»Mom, hör auf! Du machst mich ganz nervös!«
Ich biss die Zähne zusammen, um mich davon abzuhalten, einen weiteren Kommentar zu machen. Meine älteste Tochter dabei zu beobachten, wie sie zum ersten Mal allein auf ein Pferd stieg, war nervenaufreibend. Sie hatte schon oft mit mir zusammen im Sattel gesessen oder mit einem ihrer Väter, aber allein war es etwas vollkommen anderes. Und auch wenn Cody darauf beharrte, dass sie mit zwölf Jahren wirklich alt genug war, fragte ich mich, ob wir die Sache nicht überstürzten.
Mary Beth steckte ihre Fußspitze in den Steigbügel und hüpfte einmal, zweimal. Beim dritten Mal schaffte sie es schließlich, sich hochzuziehen und ihr rechtes Bein über den Pferderücken zu werfen.
»Das ist mein Mädchen!«, sagte Cody. »Genau, wie wir es geübt haben.«
»Ich habe es geschafft! Mom, hast du das gesehen?«
»Du hast es geschafft«, wiederholte ich. »Das war gut. Okay, jetzt reite nur ein bisschen Schritt im Auslauf …«
»Becca«, sagte Cody. »Darüber haben wir doch schon gesprochen. Wir werden ins Gelände reiten.«
»Bist du sicher? Vielleicht sollten wir erst mal hier anfangen. Wie klingt das für dich, Süße?«
Mary Beth stöhnte wie der Teenager, der sie fast schon war. »Mom.«
»Okay, okay, ich höre ja schon auf.«
Cody öffnete das Tor und gab mir einen Kuss auf die Wange. »Ich werde nicht zulassen, dass ihr etwas zustößt. Das weißt du ganz genau. Also hör auf, dir Sorgen zu machen, in Ordnung?«
»Es ist unmöglich für eine Mutter, sich keine Sorgen zu machen. Aber ich vertraue dir.«
»Das reicht mir.« Er schwang sich auf den Rücken seines Pferdes und führte ihn langsam durch das Tor. »Genau so, Mary Beth. Siehst du, wie das Pferd auf deine Bewegungen reagiert? Solange du ihm sagst, was zu tun ist, wird er auf dich hören.«
Ich sah ihnen stolz dabei zu, wie sie auf das Gelände der Ranch hinausritten. Sie sah ihrem Vater so ähnlich, ihre blonden Haare ergossen sich über ihren Rücken und konnten von dem Cowboyhut kaum gezügelt werden. Ich wusste, dass er gut auf sie achtgeben würde, dass er sie genauso sehr liebte, wie ich es tat. Aber das hielt mich nicht davon ab, mir dennoch Sorgen zu machen.
Ihre Umrisse in der Ferne wurden kleiner, als sie einen Hügel erklommen, dann verschwanden sie auf der anderen Seite. Noch weiter hinten erhoben sich Dutzende Windräder wie riesige Windrädchen neben den Bergen. Dank ihnen und der Solarpanele brauchten wir seit fast zehn Jahren keinen Strom mehr vom Netzanschluss. Blake beschwerte sich immer noch, dass sie die Aussicht verdarben, aber so war er eben.
Rufe vom Hühnerstall zogen meinen Blick vom Horizont. Meine drei jüngsten Söhne, Robbie, Tommy und Sam, liefen im Kreis um den Hühnerstall, während sie von einem sehr wütenden Hahn verfolgt wurden. Mister Pam breitete seine Flügel aus, während er Sam in eine Ecke des Hofes trieb, und krähte den Jungen böse an.
Es war nicht der originale Mister Pam. Der war vor Jahren gestorben. Aber Mister Pam Junior legte die gleiche Attitüde an den Tag wie sein Vorgänger.
»Hört auf, die Hühner zu ärgern!«, rügte ich sie.
Gleichzeitig sagten Tommy und Robbie: »Tun wir gar nicht!«
»Wir wollten nur nach den Eiern sehen!«, rief Sam.
»Wir haben heute Morgen schon Eier gesammelt. Warum schaut ihr schon wieder nach? Oder lügst du mich etwa an, junger Mann?«
Sam war das genaue Abbild von Blake, mit seinen tiefschwarzen Haaren und dem runden, ständig schmunzelnden Gesicht. Der Junge sah immer so aus, als wäre er bei etwas erwischt worden, das er nicht hätte tun sollen, selbst wenn er vollkommen unschuldig war. Er drehte sich um und rannte vor Mister Pam davon, der ihn weiter verfolgte und in die Hacken pikte.
»Raus.« Ich öffnete das Tor zum Auslauf der Hühner und zeigte nach draußen. »Ihr alle, raus hier.«
Die drei Jungs huschten durch das Tor. Nur Sam brachte es fertig, schuldig auszusehen.
Danach ging ich zu den Feldern. Wir hatten die Fläche von zwei auf vier Felder ausgeweitet und schließlich auf sechs. Mason lief zwischen den Pflanzenreihen hindurch, auf jeder Seite von ihm ging eins der Mädchen.
»… und der Weizen wird gemahlen, um Mehl herzustellen, was wir zum Brotbacken benutzen«, erklärte er.
»Aber wir kaufen das Brot doch im Laden«, beschwerte sich Ashten. »Da ist es doch schon fertig!«
»Aber so können wir unser eigenes machen«, erwiderte ihre Schwester Greta. »Genau wie mit dem Gemüse und dem Honig und der Milch und dem Käse …«
»Aber das ist so viel Arbeit«, beharrte Ashten.
»Es ist viel Arbeit«, sagte Mason seiner Tochter, »aber das macht es umso besser. Jetzt müssen wir nicht mehr so oft in die Stadt fahren.«
»Aber ich fahre gerne in die Stadt. Da gibt es Süßigkeiten.« Plötzlich wurden Ashtens Augen ganz groß. »Können wir auch selbst Süßigkeiten anbauen?«
Greta schnaubte. »Es gibt nicht so was wie eine Süßigkeitenpflanze.«
»Das kannst du nicht wissen!«
»Kann ich wohl!«
Als Mason sah, dass ich sie vom Rande des Feldes aus beobachtete, rollte er mit den Augen. »Deine Tochter hört nicht auf, Fragen zu stellen.«
»Deine Tochter ist neugierig«, antwortete ich. »Neugierde ist etwas Gutes.«
Mason wandte sich wieder den Mädchen zu und sagte: »Sammelt weiter das Unkraut ein, so wie ich es euch gezeigt habe.« Dann kam er zum Zaun herüber und gab mir einen Kuss auf die Wange.
»Ist das alles, was du draufhast?«, neckte ich ihn.
Er grinste verschmitzt, bevor er mir einen innigen Kuss direkt auf die Lippen gab, der von Ashten unterbrochen wurde, die ein angeekeltes Geräusch von sich gab.
»Hast du einen schönen Tag?«, fragte er mich.
»Jeder Tag hier ist ein schöner Tag.«
Er kicherte, dann sagte er: »Ich meine wegen Mary Beth und dem allen …«
Ich spitzte die Lippen. »Sie ist alt genug, um ein Pferd zu reiten. Sie ist vollkommen sicher.«
»Klingt, als würdest du versuchen, dich selbst davon zu überzeugen«, stellte er fest.
»Vielleicht tue ich das.«
Er lächelte. »Wie geht das Schreiben voran?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Ich mache Fortschritte mit dem neuen Buch, mache mir aber keinen Stress. Ich habe schon alle Hände voll damit zu tun, mir um Mary Beth Sorgen zu machen.«
»Du bist eine Mutter. Mütter sollten sich Sorgen machen … in einem vernünftigen Rahmen.«
Ich liebte es immer noch, zu schreiben, aber es war eher zu einem Hobby geworden als meine Vollzeitbeschäftigung zu sein. Eigentlich gefiel es mir so ganz gut. Meine Familie stand an erster Stelle. Wenn Zeit übrigblieb, eine Stunde hier und eine Stunde da, verbrachte ich sie mit Schreiben.
Insgesamt hatten wir sechs Kinder. Es waren mehr, als ich mir jemals hätte vorstellen können, aber mit unserer großen Ranch und drei Dads? Sechs fühlten sich richtig an.
Mehr würde es nicht geben. Vor vier Jahren hatte ich die Jungs dazu überredet, Vasektomien vornehmen zu lassen. Der Familienstammbaum der Cassidys hatte bereits genug Zweige.
Der stotternde Klang eines Motors erfüllte die Luft, kurz darauf fuhr ein Vierradfahrzeug aus dem Schuppen. Blake fuhr es, mit Sam auf seinem Schoß. Mit ihren zusammenpassenden schwarzen Helmen sahen sie absolut hinreißend aus, als sie über den Hof jagten.
Sam winkte seinen Schwestern auf dem Feld zu, als sie an ihnen vorbeischossen, was Ashten sofort dazu veranlasste, sich zu beschweren. »Warum muss er nicht arbeiten?«
Mason legte einen Arm um mich. »Du machst dir also Sorgen, wenn Mary Beth ein langsames entspanntes Pferd reitet, aber wenn unser Fünfjähriger damit durch das Gelände rast, ist dir das egal?«
Ich hob eine Augenbraue. »Versuchst du, mich dazu zu bringen, mir noch mehr Sorgen zu machen, als ich ohnehin schon habe?«
Er hob abwehrend seine Hände. »Wollte nur sichergehen, Liebling. Nur sichergehen.«
Ich stieß ihn verspielt zur Seite und wir lachten, während wir Blake und Sam dabei beobachteten, wie sie Kreise um die Cassidy Ranch zogen.

Das Ende